Rebel Riot auf Deutschlandtour – Konzert und Filmscreening in Berlin

Die Yangoner Punkband „Rebel Riot“ war auf Europatour und dabei standen auch einige Termine in Deutschland auf dem Programm. Am 17. Juli kam es in Berlin im „Zuckerzauber“ zu einem Wiedersehen mit Andreas Hartmann, der 2012 einen Dokumentarfilm über die Band gedreht hatte. Gemeinsam haben die Protagonisten und der Regisseur ihren Film präsentiert. Der Andrang war groß an dem warmen Sommerabend, Band und Publikum in bester Laune.

Vor der Vorführung spielten Rebel Riot drei Songs, akustisch – eigentlich, wie Frontmann Kyaw Kyaw sagte, nicht ihr Spezialgebiet. Das Publikum jedoch war begeistert. Von den Songs, aber vor allem auch von der Message, die Kyaw Kyaw vor jedem Song erklärte. Das erste Lied ließe sich mit dem deutschen Sprichwort „Wie man in den Wald hinein ruft….“ umschreiben. Kyaw Kyaw plädierte dafür, dass wir unseren Mitmenschen mit Liebe, Wärme und Verständnis begegnen und ist sich sicher, dass ebenso auch die Reaktion ausfallen werde. More Love, No Hate! Seine Message wurde explizit politisch, als er Bezug nahm zur Vertreibung der Rohingya in Myanmar. Er und seine Bandkollegen versuchen durch Projekte in Myanmar besonders Schulkindern stets zu vermitteln, dass Religion, Hautfarbe und Herkunft nichts über den Charakter eines Menschen aussagen. Seine Statements sind in Anbetracht der politischen Lage in Myanmar ein wichtiges und in Anbetracht der weitverbreiteten antimuslimischen Stimmung in der Bevölkerung auch ein mutiges Signal.

Kyaw Kyaw will nicht die Welt verändern, nicht einmal sein Land – das sei unrealistisch. In der kurzen Zeit die uns das Leben bietet, so Kyaw Kyaw, sollten wir uns darauf konzentrieren unser direktes Umfeld zu erreichen und so Stück für Stück unseren Teil beitragen, zu einem Wandel weg von Feindschaft und Hass und hin zu Solidarität, Verständnis und Liebe. Rebel Riot haben ihren eigenen sehr beeindruckenden Weg gefunden,  dies zu tun. Einmal in der Woche gehen sie mit ihrem Programm „Food not Bombs“ in Yangons Straßen und helfen Obdachlosen und Straßenkindern. Sie kochen Mahlzeiten, finanziert aus Spenden. Sie spielen mit den Kindern und schenken Aufmerksamkeit, Zeit und menschliche Wärme. Gerade Obdachlose, sagte Kyaw Kyaw, brauchten nicht nur Essen und Geld, sie brauchten vor allem Zuneigung, einen Moment in dem man ihnen zuhört, ihnen in die Augen schaut, eine Verbindung herstellt.

Foto: Ludivine Paques

Das Publikum feierte Rebel Riot und ihre Songs im Zuckerzauber und war danach gut eingestimmt für den Film „My Buddha is Punk“. Wir sahen Aufnahmen von vor einigen Jahren, die Militärregierung war gerade erst abgetreten, kaum einer besaß ein Mobiltelefon, die Punkszene war noch klein. Andreas Hartmann hatte die Bandmitglieder und ihre Freunde bei den Proben begleitet, beim Demonstrieren für mehr Demokratie in Myanmar und auf ihrer Mission die Philosophie des Punk unter die Leute zu bringen. Kyaw Kyaw und seine Freunde gestalteten Fanzines, verkauften Sticker und Lederjacken, und erklärten jedem, der bereit ist zuzuhören, was Punk für sie bedeutet – seinen eigene Weg zu gehen, Autoritäten jeglicher Art zu hinterfragen, gegen unterdrückerische Systeme zu rebellieren. Manchmal schlug Kyaw Kyaw in seiner Argumentation Brücken zum Buddhismus. Buddha selbst habe gesagt man solle niemandem glauben – nicht einmal ihm selbst.

Im Anschluss an das Screening stellten sich Andreas und Rebel Riot gerne den Fragen des Publikums. Wieso zeigt der Film keine Frauen? Damals, erklärte Kyaw Kyaw, gab es kaum Frauen in Myanmar’s Punkszene. Heute, auch durch die Reichweite der sozialen Medien, habe sich das schon geändert. Andreas ergänzte, dass die wenigen manchmal anwesenden Frauen sehr zurückhaltend gewesen waren, gerade auch was die Filmaufnahmen betraf. Um niemandem zu nahe zu treten habe er daher selbstverständlich darauf verzichtet, sie zu filmen. Gibt es oft Stress mit der Polizei? Ab und an, sagte Kyaw Kyaw, aber es halte sich in Grenzen. Was sagen die Familien von Rebel Riot zu ihrem Style? Am Anfang hätten die vor allem mit Unverständnis reagiert, aber seit Rebel Riot viel Anerkennung bekommen, vor allem auch für ihr soziales Engagement, sei das anders: „Wenn ich jetzt auf Facebook etwas über uns poste“, erklärte Kyaw Kyaw lachend, „klickt meine Mutter auf ‚teilen‘“. Und wie gefällt ihnen Berlin? Kyaw Kyaw zeigte sich begeistert – sie hätten so viele großartige Begegnungen gehabt, hier in, wie er sagt, der „Hauptstadt des Punk“.

Fotos: Ludivine Paques

Trailer zum Film https://www.youtube.com/watch?v=JgYELpWMPCY

„My Buddha is Punk“ Facebook Page www.facebook.com/mybuddhaispunk

 

 

 

Laura Hornig ist Ethnologin am Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung in Halle und arbeitet vor allem zu den Themen: Grenzkonflikte und Migration, informelle wirtschaftliche Strategien in Haushalten und Kleinbetrieben.

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