{"id":259,"date":"2020-06-29T13:03:39","date_gmt":"2020-06-29T11:03:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.myanmarmemo.com\/?p=259"},"modified":"2020-09-01T11:35:50","modified_gmt":"2020-09-01T09:35:50","slug":"ploetzlich-prinzessin-inge-sargents-leben-im-shan-staat","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.myanmarmemo.com\/en\/2020\/06\/29\/ploetzlich-prinzessin-inge-sargents-leben-im-shan-staat\/","title":{"rendered":"Pl\u00f6tzlich Prinzessin \u2013 Inge Sargents Leben in den Shan-Staaten"},"content":{"rendered":"<p class=\"qtranxs-available-languages-message qtranxs-available-languages-message-en\">Sorry, this entry is only available in <a href=\"http:\/\/www.myanmarmemo.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/259\" class=\"qtranxs-available-language-link qtranxs-available-language-link-de\" title=\"Deutsch\">German<\/a>. For the sake of viewer convenience, the content is shown below in the alternative language. You may click the link to switch the active language.<\/p><p><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Mia Kruska besch\u00e4ftigt sich in ihrer Bachelorarbeit damit, wie eine \u00d6sterreicherin Shan-F\u00fcrstin wurde und zur Demokratisierung der Shan-Staaten in den 50er Jahre beitrug. Hier gibt sie einen Einblick in die au\u00dfergew\u00f6hnliche Biografie und Selbstwahrnehmung der Betreffenden.\u00a0 <\/strong><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201e[U]nd er hat gesagt \u201aLet\u2019s go to Burma\u2018 und ich habe gesagt \u201aOk, let\u2019s go!\u2018\u201c<a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\">[i]<\/a><br \/>\nDiese Entscheidung ging Inge Sargent leicht von den Lippen nachdem sie Sao Kya Seng geheiratet hatte, doch dass sie mit diesen Worten auch Shan-F\u00fcrstin Hsipaws werden w\u00fcrde, wusste sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Das erf\u00e4hrt sie erst, als sie und Sao im Hafen von Rangoon einlaufen. \u201eDann kam die gro\u00dfe \u00dcberraschung [\u2026] und ich die herrliche Shwedagon-Pagode hab\u2018 leuchten sehen. \u00dcberall waren Menschen [\u2026], die einen Empfang vorbereiteten. Ich wusste, es muss jemand Wichtiges auf unserem Schiff sein. Da nahm mich Sao beiseite und gestand mir, dass der Empfang uns galt. Ich konnte es gar nicht glauben.\u201c Und so, ohne die Sprachen zu verstehen, ohne je zuvor in Burma gewesen zu sein, beginnt Inge Sargents neues Leben.<\/p>\n<p><strong>Hintergrund<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Mai 2016 stie\u00df ich in einem kleinen Antiquariat im thail\u00e4ndischen St\u00e4dtchen Chiang Rai auf den Roman <em>Twilight over Burma \u2013 My Life as a Shan Princess<\/em><a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\">[ii]<\/a><em>,<\/em> geschrieben von Inge Sargent. Tats\u00e4chlich sprach mich der kitschig anmutende Titel nicht besonders an, doch f\u00fchlte ich mich als Buchliebhaberin dazu verpflichtet dem Besitzer ein Exemplar abzukaufen. Wie er mir erz\u00e4hlte, lief sein Laden nicht gut. Ich las den autobiografischen Roman und stellte fest, dass der Inhalt weitaus interessanter war, als der Titel versprach \u2013 so interessant, dass Inge Sargent und die Shan-Staaten sp\u00e4ter Gegenstand meiner Bachelorarbeit mit dem Titel <em>\u201eZwischen Tradition und Moderne &#8211; Inge Sargent im politischen Zeitgeschehen der Shan-Staaten Burmas von 1953 \u2013 1963\u201c<\/em> wurden. Ein Jahr nach meiner Buchentdeckung, im September 2017, besuchte ich Inge Sargent in Boulder Colorado, um mit ihr ein <em>narrativ-oral-history<\/em>&#8211;<em>Interview<\/em><a href=\"#_edn3\" name=\"_ednref3\">[iii]<\/a> aufzunehmen. Das daraus entstandene Audiomaterial, das im Zeitraum von drei Tagen und sieben Sitzungen aufgenommen wurde, umfasst mehr als sechs Stunden und wurde im Anschluss transkribiert. Auf diesem Transkript basiert meine Analyse, die sich des methodisch am Vorgehen der qualitativen Sozialforschung und an der <em>grounded theory<\/em><a href=\"#_edn4\" name=\"_ednref4\">[iv]<\/a> bedient<em>.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Fokus meiner Arbeit liegt auf Inge Sargents Rolle als Shan-F\u00fcrstin im Staat Hsipaw, ihrem Selbstbild dabei und die von ihr und Sao Kya Seng umgesetzten politischen Reformen, weg von einem Feudalsystem hin zu einer Demokratisierung. Hierbei geht es besonders um das Spannungsfeld westlich gepr\u00e4gter Modernisierung und den regionalen Traditionen und wie diese sich zueinander verhalten. Um den kritischen Blick einer subjektiven Empfindung auf vergangene Ereignisse zu sch\u00e4rfen, bediente ich mich der Biografie- und Erinnerungsforschung<a href=\"#_edn5\" name=\"_ednref5\">[v]<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Inge Sargents Biografie im Allgemeinen, und insbesondere ihre Position als Shan-F\u00fcrstin mit \u00f6sterreichischer Herkunft, sucht ihresgleichen. Ihre Erinnerungen bieten mir einen seltenen und direkten Zugang, da viele der historischen Quellen auf Shan oder Burmesisch verfasst sind und der westlichen Forschung nur schwer zug\u00e4nglich sind. Mit ihrer Herkunft und ihrer Erziehung nimmt Inge Sargent zwar eine von eurozentristischen Vorstellungen gepr\u00e4gte Perspektive ein, jedoch erm\u00f6glicht sie uns auch einmalige und tiefe Einblicke in die Kultur und Geschichte der Shan-Region.<\/p>\n<p><strong>Ihre Geschichte, ihre Motivation<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den 1930er Jahren im \u00f6sterreichischen Lavanttal geboren, war Inges<a href=\"#_edn6\" name=\"_ednref6\">[vi]<\/a> Kindheit und Jugend vom Zweiten Weltkrieg und seinen Folgen gepr\u00e4gt. Anfang der 1950er Jahre erm\u00f6glichte ihr ein Stipendium das Studium in Boulder Colorado (USA), wo sie ihren zuk\u00fcnftigen Ehemann Sao Kya Seng kennenlernt. Erst nach der Hochzeit und der Ankunft in Rangoon erf\u00e4hrt Inge vom F\u00fcrstentitel ihres Mannes und ihren zuk\u00fcnftigen Aufgaben als F\u00fcrstin an seiner Seite. Das im Westen ausgebildete F\u00fcrstenpaar betritt 1954, mit demokratischen Ideen im Gep\u00e4ck, die politische Schaub\u00fchne Burmas zu einer ereignisreichen Zeit: Noch unter den britischen Besatzern tr\u00e4umen und k\u00e4mpfen gro\u00dfe Teile der Bev\u00f6lkerung f\u00fcr das Recht auf Selbstbestimmung und Unabh\u00e4ngigkeit. Im Jahr 1948 wird dieser Traum Realit\u00e4t und die noch junge Union Burma wagt die ersten Schritte Richtung Demokratie. Keine dankbare Aufgabe, vor dem Hintergrund der unterschiedlichen Forderungen der verschiedenen Akteure des Landes. Als Inge pl\u00f6tzlich Prinzessin wurde, war die Shan-Region noch in \u00fcber 30 F\u00fcrstent\u00fcmer unterteilt. Eines davon: Hsipaw.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<figure id=\"attachment_261\" aria-describedby=\"caption-attachment-261\" style=\"width: 432px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-261\" src=\"http:\/\/www.myanmarmemo.com\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Hochzeit-Inge.png\" alt=\"\" width=\"432\" height=\"587\" srcset=\"http:\/\/www.myanmarmemo.com\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Hochzeit-Inge.png 661w, http:\/\/www.myanmarmemo.com\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Hochzeit-Inge-221x300.png 221w\" sizes=\"(max-width: 432px) 100vw, 432px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-261\" class=\"wp-caption-text\">Am 7. M\u00e4rz 1953 heiraten Sao und Inge in Denver Colorado, hier in westlicher Hochzeitsgarderobe.<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Inge lernt eigenen Angaben zufolge innerhalb k\u00fcrzester Zeit Shan und Burmesisch. Ma\u00dfgebend tr\u00e4gt das Paar zu Ver\u00e4nderungen der Shan-Region bei. W\u00e4hrend Sao haupts\u00e4chlich politisch aktiv ist, auf regionaler Ebene der Shan und in der \u00fcberregionalen Politik in Rangoon, k\u00fcmmert sich Inge um die Belange der Bev\u00f6lkerung vor Ort. Gemeinsam verbessern sie die medizinische Versorgung, er\u00f6ffnen eine Entbindungsstation und f\u00f6rdern die Weiterbildung des Personals. Stra\u00dfen und Br\u00fccken werden ausgebaut und die Landwirtschaft mit neuen aus den USA importierten Ger\u00e4tschaften ausgestattet. Nicht selten steht das Paar mit ihren Reformen zwischen lokaltraditionellen Vorstellungen und westlich gepr\u00e4gten Ideen einer gerechten Moderne:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eDie Shan liebten ihre Pwes (eine Art Volksfest) und das dazugeh\u00f6rige Gl\u00fccksspiel. Doch sind die Leute sehr arm gewesen. Wir wollten nicht, dass sie ihr ganzes Geld f\u00fcr Gl\u00fcckspiele verschleudern. Doch war es Tradition. Andere F\u00fcrsten haben den Gewinn daraus in ihre eigene Tasche gesteckt, wie auch das burmesische Milit\u00e4r. Das kam f\u00fcr uns nicht in Frage, doch verbieten konnten wir die Pwes auch nicht. Also gr\u00fcndeten wir die Hsipaw Saopha Foundation, die den Gewinn in Bildungsstipendien steckte. So konnten wir dem Volk etwas zur\u00fcckgeben.\u201c <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Paar strukturiert auch die feudalen Arbeitsverh\u00e4ltnisse um, indem sie ihre Reisfelder den Bauern \u00fcbereignen und ihnen, un\u00fcblicherweise, Geh\u00e4lter f\u00fcr ihre Arbeit zahlen. Viele im Volk sch\u00e4tzen das Paar und der F\u00fcrst wird von ihnen <em>Ludo Saopha<\/em> \u2013 der Prinz des Volkes \u2013 genannt. Die initiierten \u00c4nderungen sto\u00dfen jedoch nicht \u00fcberall auf Begeisterung. Im Gegenteil: Nachbarf\u00fcrsten sorgen sich darum, dass ihre Bev\u00f6lkerung bald dieselbe Behandlung fordern k\u00f6nnten und auch dem Milit\u00e4r missfallen die Entwicklungen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<figure id=\"attachment_260\" aria-describedby=\"caption-attachment-260\" style=\"width: 733px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-260\" src=\"http:\/\/www.myanmarmemo.com\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Eat-Haw-.jpg\" alt=\"\" width=\"733\" height=\"412\" srcset=\"http:\/\/www.myanmarmemo.com\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Eat-Haw-.jpg 4032w, http:\/\/www.myanmarmemo.com\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Eat-Haw--300x169.jpg 300w, http:\/\/www.myanmarmemo.com\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Eat-Haw--768x432.jpg 768w, http:\/\/www.myanmarmemo.com\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Eat-Haw--1024x576.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 733px) 100vw, 733px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-260\" class=\"wp-caption-text\">Die East Haw, wie die Residenz des F\u00fcrstenpaares genannt wird, kann bis heute besichtigt werden.<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch der eingeschlagene Kurs in Richtung Demokratie ist nicht aufzuhalten. 1959 danken die 36 Shan-F\u00fcrsten zu Gunsten eines gew\u00e4hlten Shan-Parlamentes ab. Die Shan treten in diesem Zusammenschluss geeint als Bev\u00f6lkerung eines Staates auf und gewinnen an Souver\u00e4nit\u00e4t, als Teil der jungen Union. Durch Saos Bestrebungen ger\u00e4t das F\u00fcrstenpaar jedoch immer mehr ins Fadenkreuz des burmesischen Milit\u00e4rs. Zehn Jahre nach ihrer Ankunft und knapp vierzehn Jahre nach der nationalen Unabh\u00e4ngigkeit, stellt das burmesische Milit\u00e4r 1962 der aufkeimenden Demokratie ein Bein. Unter General Ne Win putscht es gegen die Regierung. Die Ideale der Demokraten schlagen hart auf den Asphalt und werden vom Profil hochgeschn\u00fcrter Soldatenstiefel zerdr\u00fcckt. F\u00fcr Inge ein v\u00f6llig \u00fcberraschendes Ereignis. Politisch wichtige Akteure werden im Zuge der Macht\u00fcbernahme verhaftet, erpresst oder ermordet. Auch Sao wird verschleppt und mutma\u00dflich umgebracht, w\u00e4hrend Inge mit ihren beiden T\u00f6chtern, unwissend und unter Hauarrest gestellt, auf seine R\u00fcckkehr wartet. Ihr werden verschiedenen Versionen seines Verschwindens zugetragen, die sich widersprechen und f\u00fcr noch mehr Verwirrung sorgen, in Inges ohnehin schon belastenden Situation.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eDie Zeit war f\u00fcr mich sehr schlimm! Soweit ich in Erfahrung bringen konnte ist er von Milit\u00e4r gefoltert, vielleicht mit einem Bayonet ermordet und anschlie\u00dfend in den Fluss geworfen worden.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Hoffnung, dass er dennoch leben k\u00f6nnte, h\u00e4lt weiter an \u2013 vergebens. Zwei Jahre nach Saos Verschwinden beschlie\u00dft sie, das Land zu verlassen. Es gelingt ihr und ihren Kindern, mit gef\u00e4lschten P\u00e4ssen nach \u00d6sterreich zu fliehen, in dessen Konservatismus die Alleinerziehende kein neues Zuhause findet. Die dreik\u00f6pfige Familie wandert nach Colorado aus. Sie trifft auf Tad, den sie sp\u00e4ter heiratet. Mit ihm zusammen gr\u00fcndet sie die Hilfsorganisation <em>Burma Lifeline, <\/em>die sich f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge aus ganz Myanmar einsetzt. F\u00fcr ihre Arbeit erh\u00e4lt Inge im Jahr 2000 den <em>Human Rights Award <\/em>der <em>United Nations Association of Boulder County.<\/em> Bis heute verfolgt sie die aktuellen Entwicklungen im Land und sieht diese kritisch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eSolange die Verfassung nicht ge\u00e4ndert wird und die ethnischen Minderheiten nicht ihre Rechte anerkannt bekommen, habe ich keine Hoffnung. Aung San Suu Kyi ist f\u00fcr mich eine ganzgro\u00dfe Entt\u00e4uschung, da sie sich nicht f\u00fcr die Rechte der Minderheiten einsetzt. Sie hat sich die Realpolitik unter dem Milit\u00e4r wohl leichter vorgestellt.\u201c<\/em><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_262\" aria-describedby=\"caption-attachment-262\" style=\"width: 706px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-262\" src=\"http:\/\/www.myanmarmemo.com\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Inge-2.jpg\" alt=\"\" width=\"706\" height=\"470\" srcset=\"http:\/\/www.myanmarmemo.com\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Inge-2.jpg 5184w, http:\/\/www.myanmarmemo.com\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Inge-2-300x200.jpg 300w, http:\/\/www.myanmarmemo.com\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Inge-2-768x512.jpg 768w, http:\/\/www.myanmarmemo.com\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Inge-2-1024x683.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 706px) 100vw, 706px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-262\" class=\"wp-caption-text\">Eine Abbildung von Inge und Sao im Shan-Staat.<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Meine Forschungsergebnisse <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Hauptthese meiner Arbeit ist, dass Inge Sargent sich als Teil eines Modernisierungsprozesses in Richtung demokratischer Staatsform im historischen Kontext der Shan-Staaten versteht. Durch ihre \u00f6sterreichische Herkunft er\u00f6ffnet Inge Sargent in ihrer F\u00fcrstenrolle einen neuen kulturellen Raum zwischen sich selbst und der Shan-Bev\u00f6lkerung in Hsipaw. Dieser dritte Raum<a href=\"#_edn7\" name=\"_ednref7\">[vii]<\/a> zeichnet sich durch die Wechselwirkung eines westlich gepr\u00e4gten Modernit\u00e4tsverst\u00e4ndnisses mit bestehenden gesellschaftlichen und kulturellen Strukturen der Shan aus. In dieser neuen kulturellen \u00dcberschneidung m\u00fcssen sowohl politische und soziale Reformen als auch Inges pers\u00f6nliches Selbstverst\u00e4ndnis als F\u00fcrstin neu diskutiert und gefunden werden. Der kulturelle Hybridit\u00e4tsprozess<a href=\"#_edn8\" name=\"_ednref8\">[viii]<\/a> zwischen der F\u00fcrstin und den Shan ist als beidseitig zu verstehen, wobei Inge Sargent durch ihre Heirat an der Spitze der sozialen Hierarchie steht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend des Interviews stellt Inge Sargent ihre Beziehung zwischen den Menschen vor Ort als eine dar, die von gegenseitiger R\u00fccksichtnahme und Respekt gepr\u00e4gt war. Da sie sich den Gebr\u00e4uchen und Traditionen der Shan weitgehend angepasst hat und die Bev\u00f6lkerung, zumindest im Privaten, der F\u00fcrstin genug Raum lie\u00df, die Frau zu sein, die sie ist, wurde ein verst\u00e4ndnisvolles Miteinander gew\u00e4hrleistet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Ergebnisse zeigen, dass sich sowohl die Reformen des F\u00fcrstenpaares als auch Inge Sargents Selbstverst\u00e4ndnis im Spannungsfeld zwischen bestehenden gesellschaftlichen Strukturen der Menschen vor Ort und den sich am Westen orientierenden Neuerungen bewegten. Das F\u00fcrstenpaar schaffte es weitgehend, unter Ber\u00fccksichtigung lokaler Bed\u00fcrfnisse den Traditionen gerecht zu werden und dennoch das Feudalsystem zu Gunsten einer Demokratisierung zu demontieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<figure id=\"attachment_263\" aria-describedby=\"caption-attachment-263\" style=\"width: 719px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" class=\" wp-image-263\" src=\"http:\/\/www.myanmarmemo.com\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Inge.jpg\" alt=\"\" width=\"719\" height=\"410\" srcset=\"http:\/\/www.myanmarmemo.com\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Inge.jpg 3836w, http:\/\/www.myanmarmemo.com\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Inge-300x171.jpg 300w, http:\/\/www.myanmarmemo.com\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Inge-768x437.jpg 768w, http:\/\/www.myanmarmemo.com\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Inge-1024x583.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 719px) 100vw, 719px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-263\" class=\"wp-caption-text\">Im Innern der East Haw werden alte Fotografien und ein paar wenige Erinnerungsst\u00fccke ausgestellt.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Meine Untersuchungen stellen mit der Bearbeitung Inge Sargents Erinnerungen zwar eine wichtige Perspektive auf die Umbr\u00fcche jener Zeit dar, bilden jedoch nicht die Erinnerungen der Shan-Bev\u00f6lkerung ab. Darum w\u00e4re es interessant, sich in einer weiterf\u00fchrenden Betrachtung auch mit der Perspektive der Shan auseinander zu setzen, die Inge Sargents Amtszeit als Zeitzeug*innen miterlebt haben. Ein Vergleich beider Perspektiven w\u00fcrden sich der untersuchte Zeitraum an historischen Sichtweisen verdichten und eventuelle \u00dcberschneidungen und Unterschiede deutlich werden, die aus meiner Untersuchung nicht hervorgehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Inge Sargents eigene Sichtweise auf das Erlebte unterstreicht, dass beim Aufeinandertreffen der augenscheinlichen Gegens\u00e4tze von Tradition und Moderne, gegenseitiger Respekt und Verst\u00e4ndnis unabdingbar sind. Diese Erkenntnis sollte uns in einer zunehmend globalisierten Welt mit immer gr\u00f6\u00dfer werdenden kulturellen \u00dcberschneidungen stets pr\u00e4sent sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\">[i]<\/a> Soweit nicht anders angegeben, stammen die hier aufgef\u00fchrten Zitate von Inge Sargent aus den Interviews, die Mia Kruska im September 2017 mit ihr gef\u00fchrt hat.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\">[ii]<\/a> Sargent, Inge: Twilight over Burma. My life as a Shan princess. Honolulu: University of Hawaii Press. 1994<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref3\" name=\"_edn3\">[iii]<\/a> Leavy, Patricia: Oral History. New York 2011, Ritchi, Donald A.: Doing Oral History. New York 2015 und weitere siehe Literarturangaben<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref4\" name=\"_edn4\">[iv]<\/a> Auswahl der Lekt\u00fcre siehe Literaturangaben<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref5\" name=\"_edn5\">[v]<\/a> Ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref6\" name=\"_edn6\">[vi]<\/a> als Inge Eberhard geboren. Erst mit ihrer zweiten Heirat nahm sie den Namen Sargent an, weswegen ich im Folgenden nur noch von Inge reden werde.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref7\" name=\"_edn7\">[vii]<\/a>Bhabha, Homi K.: The Location of Culture. New York 1994<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref8\" name=\"_edn8\">[viii]<\/a> Ebd.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Unter folgendem Link steht Mia Kruskas Bachelorarbeit zum Download bereit: <a href=\"https:\/\/www.miakruska.de\/tat\/bachelorarbeit\/\">https:\/\/www.miakruska.de\/tat\/bachelorarbeit\/<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Fotos:<\/strong> Fotos 1, 2: aus Sargent, Inge: <em>Twilight over Burma. My life as a Shan princess<\/em>. Honolulu: University of Hawaii Press, 1994; Fotos 3, 4, 5: (c) Mia Kruska.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Auszug der verwendeten Literatur in der Arbeit:<\/strong><\/p>\n<p>SARGENT, Inge: Twilight over Burma. My life as a Shan princess. Honolulu: University of Hawaii Press. 1994.<\/p>\n<p>ASSMANN, Aleida: Der lange Schatten der Vergangenheit \u2013 Erinnerungskultur und Geschichtspolitik. M\u00fcnchen: C.H. Beck. 2006.<\/p>\n<p>BHABHA, Homi K.: The Location of Culture. New York: Routledge. 1994.<\/p>\n<p>LEAVY, Patricia: Oral History. New York and Oxford: Oxford University Press. 2011.<\/p>\n<p>MIETHE, Ingrid: Neue Wege in der Biografieforschung \u2013 Der Ansatz der theorieorientierten Fallrekonstruktion. In: Zeitschrift f\u00fcr Qualitative Forschung, Heft 12, 2014, S.163-179.<\/p>\n<p>NGHI HA, Kien: Ethnizit\u00e4t und Migration Reloaded \u2013 Kulturelle Identit\u00e4t, Differenz und Hybridit\u00e4t im postkolonialen Diskurs. Berlin: wvb. 2004.<\/p>\n<p>PRZYBORSKI, Aglaja \/ WOHLRAB-SAHR, Monika: Qualitative Sozialforschung \u2013 Ein Arbeitsbuch. M\u00fcnchen: Oldenbourg Verlag. 2014<\/p>\n<p>RITCHIE, Donald A.: Doing Oral History. New York and Oxford: Oxford University Press. 2015.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Stimmen der Shan:<\/strong><\/p>\n<p>SAI AUNG TUN, U: History of the Shan State. From its origins to 1962. Chiang Mai: Silkworm Books. 2009.<\/p>\n<p>SIMMS, Sao Sanda: Great Lords of the Sky: Burma\u2019s Shan Aristocracy. Asian Highlands Perspectives, Volume 48, o.O. 2017<\/p>\n<p>YAWNGHWE, Chao Tzang: The Shan of Burma. Memoirs of a Shan Exile. Pasir Panjang: ISEAS Publishing. 2010.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Spielfilm und Dokumentation zum Thema:<\/strong><\/p>\n<p>D\u00e4mmerung \u00fcber Burma, Sabine Derflinger, \u00d6sterreich, 2015<\/p>\n<p>Die letzte Mahadevi, Karin Kaper, Deutschland, 2000<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sorry, this entry is only available in German. For the sake of viewer convenience, the content is shown below in the alternative language. 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